Wer nicht hören will, muss fühlen


So lautet der Titel und die prägnante Zusammenfassung einer kürzlich veröffentlichten Studie. Der Autor Thomas Wagner arbeitet als Straßensozialarbeiter in Düsseldorf und ist Dozent im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften an der Fachhochschule Düsseldorf. Zusammen mit Studierenden befragte er 251 »Kunden« der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Düsseldorf-Mitte zu ihren Erfahrungen mit Hartz-IV-Sanktionen, also Kürzungen des Regelsatzes der Erwerbslosen bei angeblichen oder tatsächlichen Verstößen oder Versäumnissen. Die Ergebnisse der Befragung untermauern die Argumente des Bündnisses für ein Sanktionsmoratorium in vielen Punkten.

Ein wesentliches Ergebnis der Studie laut Thomas Wagner ist: "Die Menschen sind gewaltigen psychischen Belastungen ausgesetzt. Kürzungen stürzen sie nicht selten in existentielle Nöte. Aber allein schon die permanente Bedrohung mit Sanktionen erzeugt immensen Stress. Die Menschen werden gezwungen, als Bittsteller gegenüber ihrem Fallmanager aufzutreten, und es verstärkt sich bei ihnen der Eindruck eines persönlichen Verschuldens für ihre anhaltende Arbeitslosigkeit". (1)

Auch die materiellen Folgen wie private Verschuldung, drohender Wohnungsverlust, Mangelernährung seien schwerwiegend und behinderten die Betroffenen beim Ausstieg aus der Erwerbslosigkeit. "Fordern steht im Vordergrund, Fördern ist jedenfalls nachrangig.", fasst Wagner zusammen. (1)

Im Einzelnen ergab die Untersuchung durch die StudentInnen:
„Die Betroffenen werden häufig in perspektivlose Ein-Euro-Jobs oder sinnfreie Qualifizierungsmaßnahmen vermittelt, ihnen werden auch bei kleinen Versäumnissen die Leistungen in 30-Prozent-Schritten gekürzt, die Kürzungen treiben die Arbeitslosen tiefer in die finanzielle Not und Verschuldung und sie können sich rechtlich kaum gegen die Maßnahmen der Behörden wehren. Dies sei ein ‚unmenschliches‘ Verhalten, das dringend abgeschafft werden muss, so das Fazit aller Beteiligten und Wagner ergänzte: ‚Auf Sanktionen muss verzichtet werden. Aus der strafenden Behörde muss eine fördernde Institution werden. ‘ (2)

Kurzfassung der Studie:
http://soz-kult.fh-duesseldorf.de/members/thomaswagner/arge/

(1) Interview mit Thomas Wagner in der Jungen Welt vom 8.11.2010:
http://www.jungewelt.de/2010/11-08/060.php

(2) Beitrag zur Studie auf:
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/studie-zum-hartz-iv-alltag-2176.php

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